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Interview Filariasis

Vor kurzem ging der Nobelpreis an Forscher, die Ursachen und Therapie der lymphatischen Filariasis entdeckt haben. Es handelt sich dabei um eine Infektion mit Fadenwürmern, die zur Bildung von Lymphödemen führt. Letztlich eine Erkrankung, die in das Aufgabengebiet der Herzogenauracherin Susanne Helmbrecht fällt. Sie ist Vorsitzende der bundesweiten Lymphselbsthilfe.

SusanneFrau Helmbrecht, kann uns das mit den Fadenwürmern in Deutschland auch passieren?

Susanne Helmbrecht: Nein, es ist eine Infektion die durch Stechmücken übertragen wird. Die Fadenwürmer, also die Filarien, verursachen dann im Lymphgefäßsystem eine chronische Entzündungsreaktion. Dies führt dann zur Bildung von Lymphödemen.

Und das ist das gleiche, wie das, womit sie sich beschäftigen?

Susanne Helmbrecht: Genau. Die Erkrankung ist letztlich identisch. Bei uns sind die Ursachen natürlich andere. Lymphödeme entstehen bei uns durch Operationen und Bestrahlungen nach Krebserkrankungen, durch Lipödeme oder Übergewicht.

Wer kerngesund ist, macht sich über das Lymphsystem wenig Gedanken . . .

Susanne Helmbrecht: Stimmt, da arbeitet es im Hintergrund und wir merken es gar nicht. Mit einem Lymphödem aber wird klar, wie wichtig es ist. Es kommt zu einer Ansammlung von Wasser und Eiweiß in der Haut, Verhärtungen des Hautgewebes, Hautschäden sowie zu einer lokalen Immunschwäche.

Aber es gibt Therapien?

Susanne Helmbrecht: Ja, die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie. Das ist eine umfassende Therapie zur Behandlung von Lymphödemen, die (vier Punkte umfasst. Darunter) neben Kompression, Bewegung, Hautpflege auch die manuelle Lymphdrainage umfasst. Wir vom Bundesverband setzten uns dafür ein, dass noch eine fünfte Säule hinzu kommt: die Aufklärung.

Sie sind selbst Betroffene und haben sich viel Wissen angeeignet, dass Sie nun mit Hilfe von Experten weiter geben wollen. Warum ist das so wichtig?

Susanne Helmbrecht: Es ist eine sehr komplexe Erkrankung, mit der es sich aber ganz gut leben lässt, wenn man sich an die Therapien hält. Dazu sollte man einiges Wissen. Nicht immer ist das, was Therapeuten, Krankenkassen und Ärzte raten oder verschreiben der beste Weg. Wir unterstützen daher auch unsere Mitglieder dabei, wenn es darum geht, berechtigte Interessen durchzusetzen. Und wir freuen uns, wenn wir wiederum unterstützt werden — wie jüngst finanziell von der Sparkasse Erlangen.

 

(Nordbayerische Nachrichten, Int.: rus)