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Hautpflege

Die Haut übernimmt eine wesentliche Schutzfunktion für unseren Köper und eine unzureichende Pflege kann zu Beeinträchtigungen der Hautfunktionen führen. Austrocknung, oder Aufquellen reduzieren Abwehrmechanismen gegen eindringende Mikroorganismen und Fremdkörpern und begünstigen so die Entstehung einer Entzündung.

Anatomische und Physiologische Grundlagen

Die Haut besteht aus drei Schichten, von innen nach außen aus Subcutis (Unterhaut). Dermis (Lederhaut, lat. Corium). und Epidermis (Oberhaut). Die Subkutis dient der Wärmeregulation, als Energiespeicher und zum mechanischen Schutz. Hier befinden sich Sensoren des Vibrations- und Beschleunigungsempfindens.

Die Dermis unterteilt sich in die Netzschicht (Stratum reticulare) und die Papillarschicht (Stratum papillare). In der Netzschicht befindet sich ein dichtes Netz aus Kollagenfasern mit dazwischenliegendem elastischem Bindegewebe, welches  für die Dehnbarkeit der Haut sorgt.

Über die Papillarschicht sind Dermis und Epidermis miteinander verbunden. Sie ist mit einem dichten Netz aus Blut- und Lymphkapillaren durchzogen, das die Ernährung der Hautzellen sicherstellt.

Die Epidermis stellt die Abgrenzung des Körpers zur Umwelt dar. Sie ist direkten physikalischen, biologischen oder chemischen Einflüssen ausgesetzt und hat somit eine wichtige Barriere- und Schutzfunktion. Die Epidermis besteht aus fünf unterschiedlichen Zellschichten: Hornschicht (Stratum corneum), Glanzschicht (Stratum lucidum), Körnerzellschicht (Stratum granulosum), Stachelzellschicht (Stratum spinosum) und Basalschicht (Stratum basale).

Der, in der Epidermis zu 90% und damit am Häufigsten vorkommende Zelltyp, sind die Keratinozyten. Sie sind über die Produktion von Zytokinen, Wachstumsfaktoren und Komplementfaktoren aktiv an Entzündungsprozessen und an der Wundheilung beteiligt.  Lebensfähige Keratinozyten befinden sich ausschließlich in der Basal- und Stachelzellschicht der Epidermis. In den weiteren Schichten verhornen die Keratinozyten, bis sie in der Hornschicht als Korneozyten in die Umwelt abgeschilfert werden. Die Korneozyten werden durch Hautfette zusammengehalten und verhindern das Eindringen von Mikroorganismen und Fremdkörpern, darüber hinaus dienen sie dem Schutz vor mechanischen Umwelteinflüssen.

Die unter der Hornschicht befindliche Glanzschicht (Stratum lucidum) hat die Aufgabe, eine Barriere gegen alle Formen von Eindringlingen zu bilden. Sie besteht zum Großteil aus einer dichten öligen Zellschicht.

Eine weitere Zellart der Epidermis sind die dendritischen Langerhanszellen in der Stachelzellschicht (Stratum spinosum). Sie nehmen eingedrungene Fremdkörper auf und präsentieren diese den T-Lymphozyten im nächstgelegenen Lymphknoten. Dadurch gehören sie zur Immunabwehr des Körpers.

Haare, Talgdrüsen und Schweißdrüsen werden als Hautanhangsgebilde bezeichnet. Sie entwickeln sich aus den Epithelzellen der Epidermis. Schweiß, Talg und Wasser bilden den Hydrolipidfilm, der die gesamte Haut überzieht. Er hat ebenfalls die Funktion, die Haut gegen das Eindringen von Mikroorganismen zu schützen und hilft der Haut ihre Feuchtigkeit zu bewahren Der Hydrolipidfilm stellt mit seinem sauren Milieu (pH 5,5) ein für Mikroorganismen ungünstigen Lebensraum dar, nichts desto trotz ist die Haut dicht mit Mikroorganismen besiedelt, die sich diesem Milieu angepasst haben und die Kolonisation und Vermehrung von Anflugkeimen aus der Umwelt auf der Haut verhindern. Die Bakterien, Sporen und Pilze, die dort dauerhaft (resident) oder nur vorübergehend (transident) angesiedelt sind werden als Hautflora bezeichnet.

 

Pathophysiologie

Die Hautbarriere kann auf verschiedene Arten gestört sein, z.B. durch „Aufweichen“ Mazeration, Austrocknung oder Atrophie (siehe rechts).

Mazeration bedingt eine Zerstörung des Hydrolipidfilmes und ein Aufquellen des Stratum corneum, wodurch dieses durchlässig für Mikroorganismen und Fremdkörper wird. Eine Austrocknung kann zu Rissen in der Epidermis führen, die bis an die Dermis reichen. Abhängig von der Tiefe der Einrisse können alle fünf Hautbarrieremechanismen außer Kraft gesetzt werden.

In atrophierter Haut ist die Anzahl der Keratinozyten und Langerhanszellen reduziert. Dies führt zu einer Verdünnung der Hornschicht und schlechteren Immunabwehr. Des Weiteren nimmt die Anzahl der Talg- und Schweißdrüsen ab, was zu einer Verringerung des Hydrolipidfilmes und damit zur Austrocknung der Epidermis und zu einem günstigeren Milieu für Mikroorganismen aus der Umwelt führt.

Narbengewebe entspricht weitgehend der Epidermis der gesunden Haut, allerdings fehlen Dermis und Subcutis sowie die Hautanhangsgebilde. Damit ist die Produktion eines Hydrolipidfilmes im Narbengebiet nicht möglich, was zu Austrocknung und damit zu Einrissen, vor allem großflächiger Narben, mit einer Einschränkung der Hautbarriere führt.

Hautanalyse

Hautschutz und -pflege beginnen mit der Inspektion der Haut. Mögliche Kriterien zur Beschreibung des Pflegebedarfs können z. B. sein: trocken – rissig, feucht, mazeriert, atroph oder livide. Veränderungen der Haut, z. B. Rötung, Schwellung, Blasenbildung, Juckreiz oder Schmerzen, können Hinweise auf dermatologische Erkrankungen geben und ein interdisziplinäres therapeutisches Vorgehen erforderlich machen. Bei bereits pathologisch veränderter Haut gilt es deren Ursache zu ermitteln. Dabei können endogene und exogene Faktoren von Bedeutung sein:

Endogene Faktoren pathologischer Hautzustände:

  • Alter
  • katabole Stoffwechsellage des Gesamtorganismus
  • arterielle, venöse bzw. lymphatische Indisposition
  • Fehl- oder Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel
  • Herabgesetzte Immunkompetenz

Exogene Faktoren

  • Feuchtigkeit
  • Mechanische Überbeanspruchung
  • Irritantien, Toxine

Mikroorganismen, Hautschützende – und Hautpflegende Ansätze

Am Beginn der Hautpflege steht die Reinigung der Haut, denn ohne die Beseitigung anhaftender Hornzellen, alter Pflegeprodukte oder Schweiß und Schmutz ist die Wirkung der anschließend eingesetzten Pflegeprodukte unzureichend oder sogar schädlich, weil durch den Einschluss von Mikroorganismen ein ideales Milieu für deren Vermehrung entstehen kann. Für die Reinigung können neutrale Lösungen oder Syndets mit einem pH-Wert von 5,5 zur Aufrechterhaltung des Hydrolipidfilmes verwendet werden. Dabei ist zu beachten, dass ohne mechanische Kräfte keine ausreichende Reinigungswirkung erzielt werden kann. Evtl. festanhaftende Verschmutzungen, Pflege- oder Verbandsreste lassen sich mit nassen Reinigungsumschlägen (z.B. mit neutralen Lösungen getränkte Baumwoll- oder Vlieskompressen) lösen und anschließend mechanisch entfernen. Zeigen sich keine Entzündungszeichen ist der Einsatz antiseptisch wirkender Lösungen nicht notwendig. Zur Vermeidung von Austrocknung, Irritation und Überreizung sollte auf den Einsatz von Seifen, Ölen und hyperämisierenden Zusätzen grundsätzlich verzichtet werden.

Die Auswahl der Hautpflegeprodukte richtet sich nach dem aktuellen Hautzustand und dem verfolgten Therapieziel. Die möglichen Zubereitungsformen orientieren sich am Galenischen Phasendreieck (siehe rechts).

 

Grundlage Zusammensetzung Wirkung
Paste breiig, zäh
ÖL, Fett (z.B. Vaseline, Wollfett) + Feststoff (z.B. Zinkoxid)
harte Pasten (überwiegend Feststoff)
wasserabweisend
ziehen nicht in die Haut ein
weiche Pasten (20 – 30% Feststoff)
kühlend, fettend
Vorsicht: nicht, oder schwer abwaschbar
Salben
(einphasig)
halbfest, streichfähig
(Vaseline, Paraffin)
wasserabstoßend
durch behinderte Schweißabdunstung quillt Hornschicht auf → Ablösung von Keratosen und Schuppen
Creme
(mehrphasig)
halbfest, streichfähig
Öl in Wasser (Ö/W)
Ö/W:
kühlend (Wasserverdunstung)
anschl. gering fettend
ziehen schnell ein
austrocknende Wirkung auf Hornschicht
Creme
(mehrphasig)
Wasser in Öl
(W/Ö)
W/Ö:
wirken durch Aufnahme von Schweiß der Krustenbildung entgegen Hemmung von Wärme und Feuchtigkeitsabgabe der Haut
Schüttelmixturen unlöslicher Feststoff (Puder) mit
Flüssigkeit (Wasser, Glycerin, etc.)
kühlend durch Verdunsten der Flüssigkeit Puder bleibt als aufsaugende, juckreiz-mindernde Schutzschicht auf der Haut
Penetrationssalben Wirkstoffpenetration durch:
Schädigung der Hornschichtbarriere
Okklusion, alkoholische Lösungen
Wechselwirkung mit Hautlipiden
Moleküle geringer Größe
Lotion
(Waschung)
Emulsion (Milch)
Fett + wässrige Lösung + Emulgator (hebt Grenzflächenspannung zwischen den Bestandteilen auf und sorgt so für eine stabile Verbindung)

Tabelle 1: Galenische Zubereitungsformen und Wirkungsweisen)

 

 

Für die trockene und atrophe Haut sind Pflegeprodukte auf Wasser/ Öl-Basis (W/Ö-Präparat) geeignet. Ist eine Wunde zu versorgen, sind nicht-klebende Wundverbände zu bevorzugen und auf Wundabdeckungen mit Polyacrylatkleber oder Hydrokolloidkleber sollte verzichtet  werden, da es beim Entfernen zu Hautschäden kommen kann.

Mazerierte Haut ist in besonderem Maße gefährdet für Reibungschäden, Kontaktallergien und Mykosen. Zur Prävention von Mazeration sind vertikal saugende Materialien, Schutzfilme und Schutzcreme geeignet.

Zeigt sich ein sogenanntes „Stauungsekzem“ oder eine „Kontaktallergie“ lassen sich die „Schadstoffe“ (Noxen) häufig mit nassen, neutralen Reinigungsumschlägen entfernen. Bei dem Verdacht einer Kontaktallergie ist der Auslöser (Agens) sofort abzusetzen und eine Information an den behandelnden Arzt zu geben. Kontaktallergien sind in der Regel scharf begrenzt und können mit Juckreiz verbunden sein. Je nach Schwere kommen auf ärztliche Verordnung auch cortisonhaltige Salben in Betracht. Gleiches gilt für das „Stauungsekzem“.

Ein Stauungsekzem bei Lympgpatienten ist immer Anlass zur weiteren Abklärung mit der Prüfung, ob die Entstauungs- und Kompressionstherapie optimiert werden kann.

Pilzinfektionen und allergische Hautreaktionen (Abb.5) jedoch gehören zu den Hautkrankheiten und müssen ärztlich behandelt werden. Pilzinfektionen können sehr unterschiedlich aussehen und deshalb auch als pathologische Hautveränderungen verkannt werden (Abb. 6). Die Gefahr eine Hautmykose zu erwerben ist vor und während einer Antibiotikagabe erhöht. Besonders bei Diabetikern ist auf eine Interdigitalmykose zu achten, die zu Beginn auch als Riss oder Mazeration in Erscheinung treten kann. Hier sollte sofort eine ärztliche Diagnosestellung eingeleitet werden.

Abb. 5 allergische Reaktion

 

 

Abb. 6 Pilzinfektion