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Ernährungstherapie bei Lipödem und Adipositas

Dr. med. Gabriele Faerber vom Zentrum für Gefäßmedizin in Hamburg

Bedauernswerterweise führt das Einhergehen des Lipödems mit der Adipositas – 60 % der Lipödempatientinnen sind adipös – dazu, dass das leidige Thema Diät wieder auf dem Plan steht. Nicht nur sind zwei Krankheiten zu behandeln, in der Regel führt auch keine Klinik operative Maßnahmen durch, ohne dass eine vorausgehende Gewichtsreduzierung auf herkömmliche Art stattgefunden hat. Adipositas verstärkt die Symptome des Lipödems durch zunehmende Insulinresistenz und die Östrogeneffekte des Fettgewebes. Ein sekundäres Lymphödem bildet sich fast ausschließlich bei begleitender Adipositas. In der neu überarbeiteten Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Lipödems gehören deshalb angepasste Ernährung und körperliche Aktivität genauso zur konservativen Therapie wie die Komplexe Physikalische Entstauung.

Um eine weitere Quälerei mit abschließendem Jojo-Effekt zu vermeiden, genügt es nicht, nur zu hungern und sich mehr zu bewegen. Möglicherweise muss die Patientin ihr gesamtes Verhalten ändern, zum Beispiel aufhören, im Genuss Belohnung zu sehen.

Die nachfolgend aufgeführten Ergebnisse wurden mit einer Diät erzielt, bei der Kohlenhydrate zu Beginn fast auf Null gesetzt, Eiweiße aber beibehalten werden. So wird die Gewichtsreduzierung zu Lasten der Fettpolster verschoben, die zur Bewegung wichtige Muskelmasse bleibt unangetastet (ketogene proteinoptimierte Diät). Allmählich wird dann die Kohlenhydrat- und Kalorienzufuhr den individuellen Umständen angepasst. Begleitend wird versucht, das Verhalten der Patientinnen durch Aufklärung und gegebenenfalls Therapie dauerhaft zu verändern.

Auf diese Weise kann eine Abnahme von 20 bis 25 kg in vier Monaten erreicht werden. Im Zuge dieser Therapie ist in einem Jahr eine Gewichtsreduzierung von 30 bis 40 % des Ausgangsgewichts (nicht des Übergewichts!) und mehr möglich. Für den Langzeiterfolg ist allerdings eine gute Nachbetreuung unerlässlich. Untersucht wurde, ob mit dieser Therapie eine nachhaltige Beschwerdebesserung sowie eine Reduktion der Therapiemaßnahmen erreicht werden konnte.

Von den befragten Lipödem-Patientinnen verspürten über 80 % eine Besserung ihrer Beschwerden, zum Zeitpunkt der Befragung um 60 % (direkt nach der Behandlung 70 %). Vor der Behandlung erhielten 70 % mindestens eine manuelle Lymphdrainage pro Woche, jetzt nur noch 50 %. Der Anteil derjenigen, die flachgestrickte Kompressionsstrümpfe benötigten sank von 60 % auf 40 %.

ein Kommentar

  1. Kirsten Turner Kirsten Turner

    Das hört sich zunächst einmal sehr gut an. Ich bin als Lipödem-Patientin mit ca. 10-15kg Übergewicht sehr verunsichert, was ich essen soll oder kann, um abzunehmen. Ich würde es gern mit Gleichgesinnten versuchen, die an derselben Krankheit leiden. Gibt es so etwas in Hamburg?

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